Die 39-Jährige hatte sich nach zehn Jahren Tätigkeit als Architektin dafür entschieden, noch einmal neue Wege zu beschreiten und Theologie zu studieren. Inzwischen hat sie ihr Vikariat in der Erlöserkirchengemeinde in Bad Homburg absolviert und tritt ihre erste Pfarrstelle in Kriftel an. Über ihren Weg zum Pfarrerberuf und andere Themen, die sie bewegen, schreibt sie in ihrem Online-Blog. „Ich bin wie ein offenes Buch“, so Khalil. „Als Kind besuchte ich eine römisch-katholische Maria-Ward-Schule für Mädchen und wurde in einzelnen Fächern von Nonnen unterrichtet. Schon damals beeindruckten mich die hingebungsvolle und leidenschaftliche Lebensweise der katholischen Frauen, besonders wie authentisch sie ihren tiefen Glauben lebten. Diese positiven Erfahrungen prägen mich bis heute“, schreibt sie dort. „Später als junge Erwachsene kam ich mit evangelischen Freikirchen in Berührung und fand dort eine neue Art und Weise Glauben zu leben“, ergänzt sie. Gelebte Ökumene zieht sich wie ein roter Faden durch ihren Lebensweg und ist ihr daher auch in der Gemeindearbeit sehr wichtig.
Auf ihrer Internetseite ist auch von Wundern zu lesen, die ihren Lebensweg verändert haben. Im Interview erklärt sie dazu: „Zum Theologiestudium haben mich Zeichen und Wunder geführt, die ich in meinem Leben immer wieder erlebt habe. Zum Beispiel verschwand eine erbliche Krankheit, nachdem ich dafür gebetet hatte. Und oft passierten »Zufälle«, die mich geleitet haben. Deshalb habe ich den Drang verspürt, Gottes Wort besser zu verstehen, um Gott auch auf einer intellektuellen Ebene näher zu kommen. Also bin ich zur Evangelischen Kirche konvertiert, weil sie mir als Frau mehr Möglichkeiten bietet, und habe mit dem Studium begonnen. Ich habe das Gefühl, dass Gott mich ruft, weil er einen Plan für mich hat. Ich spüre seine Führung und seinen Segen jeden Tag und kann auch schwierige Dinge im Nachhinein so deuten, dass sie mir zum Besten dienen – wie es auch schon im Römerbrief steht“, berichtet sie.
Ihre Erfahrungen aus der Praxis im Vikariat bestätigten sie darin, dass der Pfarrberuf der richtige für sie ist. Nicht jeder konnte ihre Entscheidung damals nachvollziehen, den Beruf als Architektin, in dem sie sehr erfolgreich war, an den Nagel zu hängen. „Trotzdem hatte ich viel Unterstützung und jetzt bin ich jeden Tag dankbar dafür, dass ich diesen großen Schritt gewagt habe. Denn für mich ist es der beste Beruf, den man sich wünschen kann. Ich finde es wunderbar, dass ich mit so vielen unterschiedlichen Menschen zu tun habe und so viel Freiraum für Gestaltung habe“, erklärt Khalil. „Als Pfarrerin kann ich meine Kreativität noch viel mehr ausleben als in meinem alten Job. Es macht mir ganz viel Spaß, Taufen, Trauungen oder auch Trauerfeiern passend zu den Menschen und ihren Familien zu gestalten. Dabei überrascht hat mich, dass ich Bestattungen lieber mache als Hochzeiten. Denn da hat man als Pfarrperson noch stärker das Gefühl, gebraucht zu werden“, so die gebürtige Aschaffenburgerin weiter.
In Kriftel will sie erst einmal ankommen und schauen, was gebraucht wird und wo sie unterstützen kann. Sehr gespannt ist sie auf die dortige Jugendarbeit. „Das war mein Steckenpferd in Bad Homburg. Ich habe dort zwei neue Jugendkreise eingeführt und es gab dadurch auch einen Zuwachs an jungen Leuten im Gottesdienst. Das hat mich begeistert“, berichtet sie. Gemeinsam mit ihrem Mann wird sie zunächst in Frankfurt wohnen bleiben.