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Gründe, Geschäfte auch sonntags zu öffnen, gibt es einige. Das fängt an bei den Brötchen.
Wenn aber Geschäfte sonntags geöffnet sind, verändert sich die Gesellschaft. Hier geben wir Ihnen sieben Argumente an die Hand, die gegen die Ladenöffnung am Sonntag sprechen.

Dr. Martin Fedler-Raupp
Pfarrer und Dekan
Evang. Dekanat Kronberg

 

  7 Argumente gegen die Ladenöffnung am Sonntag

1. Die Freigabe der Ladenöffnung am Sonntag liegt nicht im langfristigen Interesse der Verbraucher

Öffnungszeiten am Sonntag sind nur für große Einkaufszentren personell durchführbar und rentabel. Kleinere Handelsunternehmen können dem Konkurrenzdruck nicht standhalten. Der Konzentrationsprozess im Handelsbereich des Rhein-Main Gebietes verschärft sich.
Für den Verbraucher geht die Vielfalt an Einkaufsmöglichkeiten verloren. Immer mehr Menschen in umliegenden Orten verlieren ihre letzte Einkaufsmöglichkeit. Die Gewinner sind nicht die Verbraucher, sondern einzelne große Handelsketten in der Frankfurter City und am Stadtrand auf der grünen Wiese.

2. Die Verlagerung der Entscheidungskompetenz für den Sonn- und Feiertagsverkauf setzt Kommunen unter gegenseitigen Wettbewerbsdruck

Die Tatsache, dass die Entscheidung für den Sonn- und Feiertagsverkauf in den Händen der Kommunen liegt, führt dazu, dass Kommunen gegeneinander um die „liberalste“ Form der Ladenöffnungszeiten kämpfen, um die Kaufkraft in die eigene Gemeinde zu lenken. Wo immer eine Gemeinde sonntags öffnet, entsteht ein Wettbewerbsdruck bei den umliegenden Gemeinden. Die Folge ist schon jetzt: Zentrale Einkaufsorte ziehen kleineren Kommunen die Kaufkraft ab. Regionsspezifische Einkaufsmöglichkeiten fallen damit weg. Übrig bleiben wiederum große Einkaufszentren, in denen das Angebot zum globalen „Einheitsbrei“ wird.

3. Die Freigabe der Ladenöffnung am Sonntag führt nicht zu mehr Beschäftigung, sondern zu einem weiteren Abbau von Arbeitsplätzen

Seit der Verlängerung der Ladenöffnungszeiten vor fast 10 Jahren sind in den Verkaufsstellen des Einzelhandels ca. 6% der Arbeitsplätze verloren gegangen. Reduziert wurden vor allem Vollarbeitsplätze, aber auch sozialversicherungspflichtige Teilzeitarbeitsplätze. Demgegenüber wurde die Zahl der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse erhöht. Durch eine Freigabe der Ladenöffnung am Sonntag wird sich diese Entwicklung fortsetzen. Viele klein- und mittelständische Einzelhandelsbetriebe werden in ihrer Existenz bedroht. Viele Arbeitsplätze, auch von Selbständigen, fallen weg, die in großen Einkaufszentren nicht neu geschaffen werden.

4. Die Freigabe der Ladenöffnung am Sonntag verschlechtert die Arbeitsbedingungen im Einzelhandel

Vor allem Frauen, die ca. 2/3 der Beschäftigten im Einzelhandel ausmachen und nach wie vor Erwerbsarbeit und Familienarbeit in Einklang bringen müssen, würden durch eine Freigabe der Ladenöffnung am Sonntag in überproportional hohem Maße betroffen. Die Sonntagsöffnung wird auf dem Rücken der Frauen und Mütter ausgetragen. Es ist unverantwortlich, mit dem Hinweis auf die Anforderungen einer Dienstleistungsgesellschaft sog. Kundenwünsche gegen Interessen der Beschäftigten auszuspielen.

5. Mit der Freigabe der Ladenöffnung am Sonntag entfällt eine entscheidende Rahmenbedingung für soziale Kontakte und ehrenamtliches Engagement

Für jede Gesellschaft sind gemeinsame Zeiten der Ruhe und Arbeit lebensnotwendig.
Wenn alle Familienmitglieder aneinander vorbeiarbeiten und vorbeikonsumieren, wird das Familienleben noch viel schwieriger zu organisieren sein. Das gleiche gilt für alle gemeinschaftlichen Aktivitäten, vom geselligen Verein bis hin zum sozialen, politischen, kulturellen und religiösen Engagement.
Auf das, was dabei entsteht, nämlich gemeinsame Rituale, gelebte Tugenden und Werte sowie Verantwortungsübernahme für andere, darf keine Gesellschaft verzichten.
Wer daher von Bürgergesellschaft und Wertevermittlung in einer demokratischen Gesellschaft spricht, muss auch entsprechende Rahmenbedingungen und Zeiten gesetzlich festlegen, in denen dies gemeinsam gelebt und erfahren werden kann.

6. Die Freigabe der Ladenöffnung am Sonntag führt zur Ökonomisierung aller Lebensbereiche

Im Bereich von Handel und Dienstleistungen ist die Sonntagsarbeit innerhalb von nur sieben Jahren um die Hälfte gestiegen.
Wir sind auf dem Weg in eine „totale Dienstleistungsgesellschaft“, in der zu jeder Zeit jedem alles zur Verfügung stehen muss. Wo Konsum und Umsatz die zentralen Werte sind, die auch den Sonn- und Feiertag bestimmen, verkommt unsere Kultur zu einem „Tanz um das goldene Kalb“.

7. Nicht nur Sonntagsschutz politisch einfordern, sondern Sonntagskultur pflegen

Wenn wir Christen dem Sonntag eine hohe Bedeutung für die Gesellschaft zusprechen, ist es wichtig, dass wir auch selbst diesen Tag auf neue Weise heiligen. Die gemeinsame Gestaltung des Sonntags in den Gemeinden, in der Familie oder im Freundeskreis muss mit neuem Leben erfüllt werden. Kirchen und Christen können sich nicht damit begnügen, den Schutz des Sonntags politisch zu fordern; entscheidend ist, wie sie selbst mit ihm umgehen.

 

 
ein gemeinsames Projekt von:
Evangelisches Dekanat Kronberg und Katholische Kirche Main-Taunus