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Ökumene

 

Katharina Stoodt-Neuschäfer

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Profilierter Glaube bringt die Ökumene voran

Dr. Walter Fleischmann-Bisten zum Thema: Warum bin ich evangelisch?

Viele Kirchenvorstände bewegt die Frage, wie man mit einem gestärkten Selbstbewusstsein auftreten kann und nicht nur in Verwaltungsaufgaben aufgeht. Dr. Walter Fleischman-Bisten vom Konfessionskundlichen Institut des Evangelischen Bundes in Bensheim sprach vor den Vorsitzenden der Kirchenvorstände im Evangelischen Dekanat Kronberg über die Frage des Evangelischen Profils: Warum bin ich evangelisch?

Man solle heute sein Glaubensprofil nicht verbergen, betonte Fleischmann-Bisten. Wichtig sei das Glaubensprofil nicht nur, um die Ökumene voran zu bringen, sondern auch, um mit dem Islam oder dem Buddhismus im Gespräch sein zu können. Der katholischen Schwesterkirche könne man heute nicht mehr in ökumenischer Herabsetzung begegnen, sondern müsse die Zusammenhänge und Unterschiede kennen und wissen, warum man evangelisch sei.

Als ersten und wichtigsten inhaltlichen Punkt sprach der Leiter des Konfessionskundlichen Instituts das Amtsverständnis an. Nach evangelischem Verständnis gäbe es keinen geistlichen Stand und keinen Unterschied vor Gott, weil alle durch die Taufe gleich sind. Ein hierarchisch geordnetes Amtspriestertum sei in der Heiligen Schrift nicht zu finden. Ausnahmslos alle Getauften hätten Anteil am Priestertum. Deshalb sei die Gemeindeleitung im Protestantismus ein Laienamt. Weil keine geistlichen Kompetenzen an Priester, Bischöfe oder den Papst abgegeben werden, müsse jeder Evangelische genau Bescheid wissen, und sei für alles, was er tue, verantwortlich. Für die römische Kirche sei das ein unerhörter Angriff, weil sie den wesensmäßigen Unterschied zwischen dem hierarchischen Weihepriestertum und dem Volk der Gläubigen mache.

Freiheit bezeichnete Fleischmann-Bisten als das „Markenzeichen des Protestantismus“. Die Gemeinde sei die Basis der Kirche und diese lebe von ihrer Basis, und zwar auch und gerade in Fragen der kirchlichen Lehre. Hier entschieden die Synoden. In der katholischen Kirche gäbe es zwar auch Synoden und Konzile, diese seien aber nur ein Teil des Lehramtes, dem der Papst mit den Bischöfen vorsteht. Die Pfarrer seien nur Vertreter des Bischofs in der Gemeinde.

Der Leiter des Konfessionskundlichen Instituts sprach über die große Vielfalt der Gemeindeleitungen in den verschiedenen protestantischen Kirchen. „Evangelische Kirchen sind ihrem Wesen nach sehr verschieden, denn Strukturen sind aus evangelischer Sicht keine Glaubensfrage“. Die katholische Kirche dagegen lebe von ihrer klaren und einheitlichen Struktur. Für sie sei die Struktur eine Glaubensfrage. Deshalb halte sie die protestantischen Kirchen nicht für Kirchen, sondern nur für Gemeinschaften, die einen gewissen Anteil an der Fülle des Glaubens haben.

Auch die Vielfalt im geistlichen und gottesdienstlichen Leben sei für Evangelische selbstverständlich. Luther habe die Gottesdienstordnung bewusst von der römischen Messe abgeleitet, aber in Württemberg suchte man den Anschluss an den oberdeutschen Predigtgottesdienst und in der reformierten Kirche einen liturgischen Neuanfang. In der römischen Kirche seien alle Gottesdienste gleich bis hin zur jetzt wieder eingeführten lateinischen Messe. Die ökumenische Situation werde schwieriger, schätzte Fleischmann-Bisten ein, ökumenische Gottesdienste hält er zukünftig „kaum noch für durchführbar, allein schon wegen des extremen Priestermangels“.

Ein gemeinsames Abendmahl sieht Fleischmann-Bisten „in weiter Ferne“. Es werde spannend, ob das Reformationsjubiläum 2017 von katholischer Seite weiterhin als Kirchenspaltung angesehen wird. „Schließlich beginnt unsere gemeinsame Geschichte bereits mit Pfingsten, das sind 1500 gemeinsame Jahre.“ Luther habe immer wieder Wert darauf gelegt, das seine Kirche die alte Kirche ist, die von Anfang an da war. Die Evangelischen selbst hätten 450 Jahre bis zum ersten gemeinsamen Abendmahl 1973 gebraucht.

Der Evangelische Bund ist ein eingetragener Verein, der das Erbe der Reformation bewahren will und Material für evangelische Gemeinden und Gemeindeleiter zur Verfügung stellt. Gegründet wurde der Evangelische Bund 1886, um gegen Indifferentismus und Materialismus anzukämpfen, aber auch gegen den politischen Katholizismus der damaligen Zeit. Nach dem 2. Weltkrieg bekam der Evangelische Bund aufgrund der völlig neuen konfessionellen Mischung in Deutschland ganz neue Aufgaben. 1947 gründete der spätere Kirchenpräsident Wolfgang Sucker das Konfessionskundliche Institut. Der Evangelische Bund gibt die Mitgliederzeitschrift „Evangelische Orientierung“ heraus sowie zahlreiche Arbeitsmaterialien, veranstaltet Tagungen und berät seine Mitglieder und Kirchen. Alle Informationen zeigt die Internetseite www.evangelischer-bund.de.