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St. Johann Kontakt: Wilhelm-Bonn-Str. 1 Pfarrer Hans-Joachim Hackel Kirche geöffnet: |
Älteste kirchliche Stiftung in Hessen Obdach für Arme gibt die älteste kirchliche Stiftung in Hessen seit 400 Jahren. Nach dreijähriger Renovierung bietet das Kronberger Spital preiswerten Wohnraum in vier modern ausgestattete Wohnungen im alten Fachwerk der Kronberger Talstraße. „Wir haben das ganze Haus auseinander genommen“ erzählt Pfarrer Hans-Joachim Hackel. Viele Balken habe man ausgebessert und eigene Wohnungszugänge geschaffen. Die neuen Bewohner laufen jetzt über geölte Eichenböden und genießen das gesunde Raumklima, für das die in den Lehm der Wände eingebetteten Strohmatten sorgen. Erstmals erwähnt wurde das „Cronberger Spital“ 1436 im Zinsbuch Frank des Reichen und dann noch einmal 1586 im Zusammenhang mit einer Armenspeisung durch Hartmut den 13.. Dieser vererbte dem Spital die ernorme Summe von 1.000 Gulden, von denen seine Söhne 1509 das Spital neu erbauten. Nach seinem Stiftungszweck hatte es Wohnung und Essen für Bedürftige zu geben, war aber nicht so etwas wie ein Krankenhaus, denn in damaliger Zeit waren Spitäler Armenhäuser, Altenheime und Zufluchtsorte für Obdachlose. So lebten früher arme Witwen mit ihren zahlreichen Kindern dort auf engstem Raum und hatten als Gegenleistungen samstags die Straße um das Spital zu fegen. Zu anderer Zeit wurde das Spital zur Zuflucht für gefallene Mädchen und bis Ende der fünfziger Jahre mussten die Bewohner das Wasser noch aus einem Brunnen auf dem Hof holen. Es wird Jahrzehnte dauern bis die Kirchengemeinde die Baufinanzierung aus den sozial verträglichen Mieten wieder ausgeglichen hat. Knapp 1,5 Millionen Euro hat die umfangreiche Sanierung gekostet. Nach großzügigen Zuschüssen für das älteste Kronberger Gebäude durch die Stadt und die Denkmalspflege trägt die Kirchengemeinde als Bauherr noch 45 Prozent der Kosten. Die Stiftung hat ihre verhältnismäßig geringen Mittel dazugegeben erklärt Dr. Berthold Birlenbach, der die Finanzen von Stiftung und Kirchengemeinde verwaltet. Im Unterschied zum Kirchenvermögen und zum Pfarreivermögen handele es sich bei der Stiftung um Sondervermögen, das sich selbst erhalten müsse und nur für kirchliche und gemeinnützige Zwecke verwendet werden dürfe. Dass beim Umbau viel mehr als nur technische Fragen zu lösen waren erklärt Gemeindepfarrer Hackel am Beispiel der alten Mieter und der Nachbarn. Diese hätten in den drei Baujahren einiges erleiden müssen. Geduldig hätten sie Baulärm und Straßensperrungen mitgetragen „weil sie sich mit dem Gebäude solidarisiert haben“. Denn für viele gehöre „das Haus zur Gemeinde wie die mittelalterliche Johanneskirche“. Und die alten Mieter, von denen einige schon im Spitalhaus geboren seien, hätten sich nicht leicht an die viel schöneren neuen Wohnungen gewöhnt, die sie mit Hilfe der Stadt gefunden hatten. Im Zuge der Gebäudesanierung hat man auch die Satzung der alten Stiftung gründlich überholt und rechtlich in die Form einer modernen Stiftung gebracht. Ihr Vorsitzender Rolf Jodlauk trägt aber nach wie vor den Titel „Spitalmeister“ und pflegt die Tradition der ältesten kirchlichen Stiftung im heutigen Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.
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