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Flörsheim Kontakt: Erzberger Str. 12A Pfarrer Martin Hanauer Kirche: Gemeindehaus: Internet:
Kirche offen: |
Der Himmel gehört nicht Fraport „Der Himmel gehört nicht Fraport“ steht auf dem 10 Meter langen Banner, das unter dem Applaus der etwa 60 Umstehenden am Kirchturm am Buß- und Bettag herab gelassen wird. Pfarrer Martin Hanauer beklagt die Lage in Flörsheim: Seit dem 21. Oktober 2011 habe mit der Inbetriebnahme der neuen Landebahn am Frankfurter Flughafen eine neue Zeitrechnung begonnen. „Wir sind bei den Menschen in unserer Stadt, die unter dem krankmachenden Fluglärm leiden.“ Kinder könnten draußen nicht mehr spielen, in der Kirche bröckele der Putz von den Wänden und bei ihm zu Hause schepperten die Gläser im Schrank. Kurz vor fünf werde er aus dem Schlaf gerissen und kämpfe den Tag über gegen die Müdigkeit. „Auf Dauer ist man dann einfach gerädert.“ Propst Sigurd Rink von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau ist an diesem Buß- und Bettag aus Wiesbaden gekommen um sich ein Bild von der Lage zu machen. Für ein „hoch symbolisches Datum“ hält er die Protestaktion an diesem Tag. Umkehr und Umdenken sei nötig und er mahnt eine „neue Form der Verkehrspolitik“ an. Es müsse einen Ausgleich zwischen berechtigten ökonomischen Interessen, den sozialen Notwendigkeiten und dem ökologischen Gleichgewicht hergestellt werden. Seine Forderungen fasste er in drei Punkten zusammen. Zunächst müsse das Mediationspaket strikt eingehalten werden. Dieses müsse aber noch einmal aufschnürt werden um das Nachtflugverbot auf die gesetzliche Nacht von 22 bis 6 Uhr auszudehnen. Und schließlich müsse die „Demokratisierung des Lärms“ zurück genommen werden und auf ganz enge Korridore beschränkt bleiben. „Tomaten bauen wir in unserem Garten nicht mehr an“ sagt eine Frau mit dem Blick zum Turm, wo das Banner jetzt hängt. Kerosin habe man heute früh wieder abgelassen, dass es nur so zum Himmel stinke, so deutet sie die Geruchsbelastung. Erst wenige Tage zuvor hatte der Kirchenvorstand eine Resolution verabschiedet, in der er unter anderem den Erhalt des Nachtflugverbots fordert, die Einhaltung der in der Mediation festgelegten Werte und einen besseren Schutz vor dem krankmachenden Fluglärm. Heute leuchtet das Flörsheimer Herz, eine Installation aus LED-Elementen, das zwischen Kirche und Gemeindehaus steht, als Symbol des Mitleidens. Auf einem Rundgang durch die Stadt besuchte der Propst in Begleitung von Pfarrer Martin Hanauer und einiger Flörsheimer ein Altenheim im Neubaugebiet sowie das neue Hospiz Lebensbrücke und die Polizeistation. Bewohner des Altenheims klagten, ob sie jetzt hier wieder wegziehen könnten und eine Familie habe die Unterbringung im Hospiz wegen des Fluglärms wieder abgesagt. „Hier kann man noch nicht mal in Ruhe sterben“, sagt die Begründerin und Leiterin des am 1. Oktober eröffneten Hauses, Christa Hoffmann. Schade sei es um die neuen Balkons mit den breiten Türen, wo man das Bett so schön hinausschieben könne. „Wir müssen Türen und Fenster jetzt geschlossen halten und über den Einbau einer Entlüftungsanlage nachdenken.“ Polizeihauptkommissar Frank Petmecky zeigt volles Verständnis für die Entrüstung und Verzweiflung vieler Flörsheimer. Viele kämen und erstatteten persönlich Anzeige, obwohl das inzwischen auch online möglich sei. Und die Kollegen, die in Flörsheim wohnen, hätten ja auch den Lärm von 5 bis 23 Uhr. „Man will ja auch mal nach draußen.“ Außerdem sei man im Dienst als Polizist sowieso den ganzen Tag unterwegs. Nach dem Rundgang sitzt ein inzwischen angewachsener Kreis von Flörsheimern mit ihrem Pfarrer und dem Propst im Gemeindehaus und sie reden über den wirtschaftlichen Ruin für alle, die schmale Entschädigungen annehmen und danach nicht mehr klagen dürfen. Sie reden über den Verkauf ihrer Häuser und den Verlust der Heimat. Sie fragen, ob die Schäden im rechten Verhältnis zu den Flugpreisen liegen und über „99 Euro Shopping-Flüge der Lufthansa auf dem Rücken der Flörsheimer“. Und dann treffen sich viele in der evangelischen Kirche zum Abendgottesdienst an diesem Buß- und Bettag.
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