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Evangelische Leuchttürme zwischen Main und Taunus

„Wir wollen die evangelische Kirche attraktiver gestalten in der bestehenden  Freizeit- und Medienkultur“. Dafür tritt Marlehn Thieme aus Bad Soden ein. Sie ist Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), dem Leitungsgremium, das regelmäßig unter dem Vorsitz von Bischof Wolfgang Huber zusammentritt. Um Menschen anzuziehen und ausstrahlungsstark zu sein, müsse die Kirche ganz unterschiedliche Schwerpunkte bilden. Auf der Jahrespressekonferenz des Wiesbadener Propstes Sigurd Rink sprach die Leitungsfrau der EKD von „Leuchttürmen“. Damit schloss sich Thieme dem zentralen Begriff des viel diskutierten Perspektivpapiers der EKD „Kirche der Freiheit“ an, an dem sie selbst mitgearbeitet hat.

Weil bei knapper werdenden Mitteln zugleich neue Aufgaben auf die evangelische Kirche zukämen, müssten sich Nachbargemeinden einzelne Aufgaben aufteilen und stärker zusammenarbeiten. Außerdem sollten einzelne Gemeinden bestimmte Dinge für die ganze Region anbieten. „Bevor wie zusammenlegen müssen wir überlegen, was wir gemeinsam tun können.“ Thieme verwies auf den Schwerpunkt der drei Kindertagesstätten in der evangelischen Kirchengemeinde Bad Soden, wo sie selbst im Kirchenvorstand mitarbeitet. „Mit neuen Schwerpunkten bleiben wir in der Fläche ohne zur Nischenkirche zu werden.“

Propst Rink nannte vier „Leuchttürme kirchlicher Präsenz“ für sein Südnassauer Arbeitsgebiet, das den Taunus umfasst sowie auch Teile von Rheinland-Pfalz. Als einen dieser Leuchttürme stellte er das Mehrgenerationenhaus vor, das in Eschborn entstehen wird. Das evangelische Gemeindehaus ist von der Bundesregierung in das Programm der Mehrgenerationenhäuser aufgenommen worden und wird zu einem Haus für alle Generationen geöffnet. Evangelische Familienbildung und Kirchengemeinde beginnen jetzt damit, die bereits bestehenden Angebote für Jung und Alt zu erweitern und das Miteinander der Generationen vom privaten in den öffentlichen Raum zu übertragen. Rink kündigte den Startschuss für den 17. Dezember mit Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen und Ministerpräsident Roland Koch an.

Weitere Leuchttürme sind die Marktkirche in Wiesbaden mit 70.000 Besuchern pro Jahr und das Kloster Eberbach mit seiner wachsenden Ausstrahlung bei bedeutenden Veranstaltungen der evangelischen Kirche. Als einen „bemerkenswerten Beitrag der Evangelischen Kirche zur Bildung“ stellte der Propst den Campus Klarenthal Wiesbaden vor. Dieses „reformpädagogische Konzept für das Leben und Lernen“ besteht aus dem Campus Kinderhaus, dem Campus Grundschule und dem Campus Kolleg aus Gymnasialer Oberstufe und Fachoberschule. Die Kirche wolle nach und nach in den Schulsektor hineingehen und nannte als Beispiel das neue evangelische Gymnasium in Bad Marienberg. Pläne für eine Frankfurter Schule lägen noch in der Schublage weil die Ersatzschulfinanzierung durch das Land Hessen immer noch zu gering sei und eigene Schulgründungen für die Kirche in diesem Bundesland nicht bezahlbar seien. Als ein „Projekt mit besonderer Ausstrahlungskraft“ stelle Propst Rink die ökumenische Aktion „Himmlisch-Nah“ im Sulzbacher Main-Taunus-Zentrum vor.

Zur Mitgliederentwicklung erklärte der Propst, er strebe ein „ausbalanciertes Verhältnis von Eintritten und Austritten“ an. Die evangelische Kirche verliere pro Jahr etwa ein Prozent ihrer Mitglieder, davon die Hälfte durch Austritt. Dieser äußerst geringe Verlust summiere sich aber über Jahrzehnte. Seit einigen Jahren träten immer mehr Menschen in die evangelische Kirche ein. Jetzt sei es schon so, dass auf zwei Austritte ein Eintritt oder Wiedereintritt käme. Die Zahl der Gottesdienstbesucher sei konstant, die Weihnachtsgottesdienste erlebten stark steigende Besucherzahlen. Die Besetzung der Pfarrstellen sei so gut, dass es kaum möglich sei, eine freie Stelle zu finden. Erst ab 2017 käme es zu einem Rückgang der Zahl der Pfarrer. Die Finanzlage der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau bezeichnete Rink „Dank der wirtschaftlich starken Rhein-Main-Region“ als stabil. Viele Gemeinden seien „finanziell sehr gut aufgestellt“, ein Fünftel der Gemeinden seien allerdings finanziell schwach.