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Verbindlicher Besuch auf Augenhöhe Eine biblisch begründete Form der Unternehmensberatung In diesem Jahr bekommen die Kirchengemeinden zwischen Main und Taunus Besuch, ein alter Brauch in der Kirche, der Visitation heißt und der seit urchristlichen Zeiten geübt wird. Schon der Apostel Paulus hat so etwas wie Visitationsbriefe geschrieben. Besuchs-Teams aus Süd-Nassauer Gemeinden besuchen die 30 Kirchengemeinden im Evangelischen Dekanat Kronberg. Neu ist allerdings ein, in einem Pilotprojekt der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau blicken die Besucher besonders darauf, wie die Gemeinden auf ihre Mitglieder zugehen und sich ihnen öffnen. Der Blick von Gemeinde zu Gemeinde, der Austausch über die Arbeit und ihre Ziele, aber auch Fragen und Probleme stehen im Mittelpunkt der Begegnungen und Berichte. An einem Wochenende zwischen Mai und Juni lernt man sich kenen und findet bis zum Herbst gemeinsam Zielvereinbarungen für die nächsten Jahre. Diese biblische Form der Unternehmensberatung soll die Gemeinde weiter bringen, der freundliche, aber genaue Blick hilft Probleme offen zu legen und die Begleitung Gleichgesinnter verspricht neue Ideen und Lösungen. Pfarrer Willi Schelwies, der in der Propstei Süd-Nassau für die Organisation der Visitation zuständig ist, spricht von „exemplarischer Einsicht“. Man könne bei einem solchen Besuch nicht all das Viele sehen, das eine Kirchengemeinde zu bieten hat, aber doch Wesentliches erkennen und darüber in einen fruchtbaren Austausch kommen. Die Besucher kommen ohne Navi, das rät jedenfalls Pfarrer Matthias Pape, der für die Mitgliederorientierung in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zuständig ist. Er sagt: „nur eine sichtbare Kirche kann Identifikationspunkt sein.“ Überhaupt käme es auf ein gut durchdachtes Gesamterscheinungsbild an. Mitgliederorientierung bedeute, wie das, was wir tun, durchschaubar wird und dass Außenstehende unsere Anliegen verstehen, „wie wir die Menschen mit der frohen Botschaft erreichen können und wie sie uns erreichen“. Im Herbst kommen die Gäste in Begleitung von Propst Sigurd Rink noch einmal zum Auswertungsgespräch. Der Wiesbadener Propst legt Wert darauf, dass es bei der Visitation nicht einfach um Kontrolle geht, sondern der Blick von außen soll die eigene Sicht der Dinge unterstützen. Und Zielvereinbarungen, wie sie viele aus dem Berufsleben kennen, würden nicht von außen aufgedrückt, sondern die Gemeinden sollten sie selbst finden. Und bei aller Gründlichkeit dürfe die Visitation auch viel Freude machen.
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